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Vortrag über den Taunus April 2012

AK 2020 > Arbeitskreisthemen


Der Taunus - Ein l(i)ebenswertes Mittelgebirge

Der Vortrag über den Taunus, hätte keinen besseren Veranstaltungsort finden können, wie im Gasthof „Zum Taunus“, so scherzte Prof. Dr. Eugen Ernst zu Anfang seiner Ausführungen. Im bis auf den letzten Platz gefüllten kleinen Saal, ging der Referent, mit seinem gesammelten Wissen der letzten Jahre und Jahrzehnte, über den Taunus in allen Einzelheiten ein. Im ersten Teil des Vortrags beleuchtete er die erdgeschichtliche Entstehung des Gebirges und seine naturräumlichen, abwechslungsreichen Landschaftsräume.

Der Taunus sei von der Oberflächengestalt ein musterhaftes Mittelgebirge im südöstlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges, und zusammen mit dem linksrheinischen Hunsrück, Eifel, Ardennen und Hohen Venn (beide in Belgien) und rechtsrheinischem Westerwald, Bergischen Land, Siegerland und Sauerland, vor rund 360 Millionen Jahre entstanden. Bis zu Höhen von 2000 Meter sei das Rheinische Massiv als Hochgebirge in dieser Zeit angewachsen. Abgetragen in Jahrmillionen der Erdgeschichte, durch Verwitterung in feucht-tropischem Klima, auf eine fast gleichmäßige Ebene von 100 bis 150 Meter. Vor 65 bis 40 Millionen Jahren, bei Entstehung und Auffaltung der Alpen und dem Einbruch des Oberrheingrabens, wurden das Rheinische Schiefergebirge und damit auch der Taunus auf eine Höhe von 400 bis 900 Meter emporgehoben. Danach begann durch weitere Erosion und der Modellierung der Flüsse und Bäche die heutige Landschaftsgestalt. Der Taunus sei wie eine Pultscholle zu sehen. Der Hohe Taunus auf einer Länge von 75 Kilometer vom Mittelrhein bis zur Wetterau, als Gebirgskamm mit der größten Höhe im Hochtaunus, auf dem Großen Feldberg, mit 880 Meter. Südlich davon der steil abfallenden Vordertaunus zum Main-Taunusvorland hin. Nach Norden zur Lahn, der langsam abdachende Hintertaunus. Dieser wird durch die Idsteiner Senke und den Goldenen Grund in einen westlichen und östlichen Teil getrennt. Das Mittelgebirge bedeckt eine Fläche von rund 3000 qkm in Hessen und Rheinland-Pfalz, und reicht im Westen vom Mittelrhein bis nach Osten an die Wetterau, im Süden vom Rheingau und Main bis nach Norden zur Lahn.

Zweiter Teil mit Lichtbildvortrag

Nach einer kurzen Pause und der Frage, ob noch Interesse nach einem Lichtbildvortrag besteht, zeigte Prof. Dr. Eugen Ernst im zweiten Teil unzählige Dias. Mit gesammelten Aufnahmen in allen Gegenden des abwechslungsreichen Mittelgebirges, staunten die Zuhörer, wie schön der Taunus als Kultur- und Wirtschaftslandschaft wirklich ist. Im Süden vor dem Hohen Taunus und Vordertaunus, das Rhein-Main-Gebiet mit der Metropolstadt Frankfurt am Main und den Kurstädten Bad Homburg v.d. Höhe und Wiesbaden. Nach Westen der Rheingau und das Mittelrheintal, mit dem Rheinstrom, der von Basel fast geradlinig nach Norden verläuft, nach links abdrehen musste und sich durch den Taunuskamm und Soonwald des Hunsrücks durchbricht, mit dem Engpass an der Loreley. Die Hochflächen des westlichen Hintertaunus mit der westlichen Hochscholle des Kemeler Rückens und seinen tiefeingeschnitten romantischen Bachtäler wie Aar, Dörsbach und Mühlbach. Das stark abfallende Wispertal das zum Rhein hin abfließt. Das in seiner Form einmalige Lahntalgebiet mit dem dominierenden Limburger Beckens, in der Mitte die Domstadt Limburg. Die Idsteiner Senke, die den Hintertaunus in einen westlichen und östlichen Teil trennt, als Anschluss nach Norden zur Lahn in den Goldenen Grund übergehend, welches mit dem Limburger Becken ein sehr ertragsreiches Agrargebiet darstellt. Das Vorkommen und der Abbau von Lahnmarmor, sowie die Mineralwasserquelle von Niederselters, dem namensgebenden Selterswasser, die durch die Verwerfungslinien im Goldenen Grund und der östlichen Hochscholle, der sogenannten Feldberg-Langhals-Pferdskopfscholle entstanden sind, sprach der Referent an. Die Weil, welche die Hochflächen im östlichen Hintertaunus durchtrennt, die Zeit des Abbaus von Dachschiefer, dem sogenannten Langhecker Schiefer und die Roteisengruben im östlichen Hintertaunus. Das Usinger Becken und den Ostrand zur Wetterau mit dem Hausberg und seinem neuem Aussichtsturm, weiter südlich am Taunuskamm, die Kurstadt Bad Nauheim. Nördlich an der Lahn die Residenzstadt Weilburg und der Industriestandort Wetzlar mit dem Stoppelberg, der in der vulkanischen Zeit des Westerwaldes entstand.

Bodenbeschaffenheit und die Klimaveränderung

Einen weiterer Aspekt, so der Referent zum Abschluss des Vortrags, für die Land- und Forstwirtschaft wird es zukünftig sein, sich den veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen. Die Agrarflächen im Taunus haben auf den Hochflächen auch eine sehr geringe Bodenklimazahl im Bereich der 30er bis 50er-Böden aufzuweisen, ausgehend von der festgelegten Höchstzahl von 100 in der Magdeburger Börde, im Goldenen Grund und Limburger Becken befinden sich die besten Flächen mit 70er bis 90er Böden, auf dem Taunuskammbereich und den beiden Hochschollen sind es hingegen nur 10er bis 30er-Grenzertragsböden. Die unterschiedlichen Beschaffenheit, wie den Lössboden in den tiefer gelegenen Becken und Senken, die das Regenwasser besser speichern wie die ertragsarmen Schiefergesteinsböden auf den Hochflächen, wo das Wasser schnell versickert und schlecht gespeichert wird, ist bei den klimatischen Veränderungen ein wesentlicher Faktor, da Oberflächenwasser in den Siedlungsgebieten heutzutage nicht mehr dem Erdreich zurückgeführt wird, sondern mit dem Nutzwasser in das Klärsystem hineinfließen.
Die Forstwirtschaft ist darum bemüht, sich den bereits gegebenen Veränderungen des Klimas und die Auswirkungen auf die Natur anzupassen. Anstatt von reinen Fichtenmonokulturen wird seit Jahren zunehmend auf Michwälder und der Pflanzung von tiefwurzeligen Douglasien, zur flachwurzeligen Fichte, umgestellt.

Für diesen eindrucksvollen, interessanten Vortrag bekam der Referent einen großen Applaus und als kleines Dankeschön und Anerkennung, seiner Leistungen und Verdienste über den Taunus, durch den Arbeitskreis Haintchen 2020, ein Kerze mit der Pfarrkirche St. Nikolaus und für das leibliche Wohl einen original Haintchener Fleischwurstring.
Wer mehr über den Taunus erfahren möchte, kann das umfangreiche Buch erwerben, Der Taunus, Ein l(i)ebenswertes Mittelgebirge, von Prof. Dr. Eugen Ernst, herausgegeben vom Frankfurter Societäts-Verlag. Der Ladenverkaufspreis beträgt 49,90 €, wird allerdings über eine Sammelbestellung abgewickelt. Bestellungen können bei André Bördner, Telefon 06475-8474 aufgegeben werden.


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